Die Gattung Neotinea gehört zu den faszinierenden heimischen Orchideen Europas und begeistert mit ihrer zarten, oft unscheinbaren Schönheit. Arten wie Neotinea maculata, auch als Keuschorchis bekannt, zeigen auf den ersten Blick eher zurückhaltende Farben – doch bei näherem Hinsehen offenbaren sich feine Muster und elegante Blütenformen.
War Neotinea mit der Keuschorchis in der Vergangenheit eine monotypische Gattung innerhalb der Orchideen, so hat man nach molekulargenetischen Untersuchungen einige Arten aus der Gattung Orchis zu Neotinea gestellt: Aus der Untergruppe Dreizähniges Knabenkraut Neotinea tridentata und Neotinea conica, das Milchweiße Knabenkraut Neotinea lactea (früher Orchis lactea) sowie das Brandknabenkraut Neotinea ustulata und Neotinea aestivalis. So besteht die Gruppe nun aus etwa acht bis zehn Arten und ggf. Unterarten.
Neotinea-Orchideen wachsen bevorzugt auf nährstoffarmen Wiesen und kalkhaltigen Böden. Gerade diese spezialisierten Lebensräume machen sie zu wertvollen Indikatoren für intakte Natur. Für die Naturfotografie bieten sie eine besondere Herausforderung: Ihre geringe Größe und filigrane Struktur verlangen Geduld, ein geschultes Auge und den Blick für Details.
Neotinea maculata, die Keuschorchis
Die kleine und in der Regel unscheinbare Keuschorchis aus der Familie der Orchideen gehört zur Gattung Neotinea. Sie bildete bis vor einigen Jahren die einzige Vertreterin der damals monotypischen Gattung, d. h. es gab nur die Art „maculata„.

Die sehr kleine Orchidee bevorzugt als Standorte lichte Kiefernwälder und wird daher auch „Gefleckte Waldwurz“ genannt. Ihr Verbreitungsgebiet ist rund um das Mittelmeer, auf den Kanaren, Kapverden, Nordafrika und bis ins nordwestliche Europa. Auf Kreta kommt sie insbesondere im Osten vor. Eines der typischen Verbreitungsgebiete ist dort die Thripti-Alm mit ihren ausgedehnten Nadelwäldern. Auch auf Mallorca ist sie heimisch und blüht dort zum Beispiel am Burgberg von Alaro.
Die blühenden Pflanzen sind ab etwa März bis in den April hinein zu finden. Die Pflanzen kommen einzeln oder in kleinen Gruppen vor. Ihre Blütenstängel erreichen eine Höhe bis etwa 20 cm, viele sind jedoch kleiner. Die winzigen Einzelblüten sind erst bei sehr nahem Hinsehen zu unterscheiden. Sie sind weiß und rosa und nicht größer als etwa fünf bis acht Millimeter.
Neotinea conica, das kegelförmige Knabenkraut

Auf der balearischen Insel Mallorca blüht Neotinea conica (manchmal auch als N. tridentata ssp. conica bezeichnet), das Kegelförmige Knabenkraut, bereits im Februar. Die zarte Orchidee kommt in lichten Pinienwäldern, auf Trocken- und Magerrasen vor. Ihre schönen, aus der Ferne weiß-rosa erscheinenden Blütendolden entpuppen sich aus der Nähe als kleine weiße, mit rosa Punkten versehenen Einzelblüten. Der Name conica bezieht sich auf die Form des Blütenstandes, der oft eine kegelförmige Form annimmt, aber auch leicht pyramidenförmig oder langgestreckt erscheinen kann. Die Färbung der einzelnen Exemplare reicht von weiß bis mittelrosa.
| Unser Tipp: der Burgberg des Castillo Bellver in Palma Während das Castillo Bellver eine beliebte Ausflugslocation ist − und sehr sehenswert, mit einem grandiosen Ausblick über Palma − wird der Burgberg oft übersehen. Das Gebiet umfasst eine ausgedehnte Waldlandschaft, durchzogen von vielen Spazierwegen, die auch von der einheimischen Bevölkerung gern genutzt werden. Es gibt einige Picknickplätze, die ein oder andere Statue, aber überwiegend ungestörte Landschaft mit Pinienbewuchs. Im Frühjahr befindet sich hier ein Eldorado für den Orchideenbegeisterten. Neotinea conica ist häufig vertreten und besonders Anacamptis longicornu (früher Orchis longicornu) ist in allen Farbschattierungen von weiß über rosa bis tief-lila zu sehen. Weitere Orchideen sind Ophrys lutea, Formen aus dem Ophrys-fusca-Komplex, Ophrys vernixia, Ophrys tenthredinifera und selten sogar Ophrys balearica. |
